Samstag, 26. Januar 2008

Schlafende Schafe

Schlafende-Schafe
Wenn sich eine dunkle Decke über deine Decke legt und sich ein Albtraum nach dem anderen neben dich legt.
Wenn sich deine Decke plötzlich ganz schwer anfühlt, so dass du kaum Luft bekommst und du dich fühlst, als ob die Federn in Blei getränkt wären.
Wenn dich das Schnarchen, das dich sonst immer in den Wahnsinn der Schlaflosigkeit treibt, neben dir beruhigt und dir die Gewissheit gibt nicht allein zu sein.
Dann schliesse deine Augen. Atme tief durch und rüste dich gegen die Erdanziehungskraft. Wappne dich gegen die Albträume. Stoße sie aus deinem Bett und kämpfe um deinen verdienten Schlaf.
Wecke die schlafenden Schafe um sie zu zählen.

Sonntag, 25. November 2007

Liebenswert

Liebe

Sonntag, 28. Oktober 2007

Die Straßen Königin (1)

Es gibt kein Rückwärts und keinen Gang dafür. Gäbe es einen Rückwärtsgang, könnte sie ihn nicht betätigen. Sie kann nicht mehr zurück, lebt jeden Tag wie er kommt, nimmt ihn an und bekommt doch nicht viel davon mit. Die Gewohnheiten haben sich zu tief eingebrannt, eingebrannt in ihren leeren Kopf, in ihr zerrüttetes Herz und in ihren alten gebrechlichen Körper, den sie wie eine zuwidere Last schleppt und quält.
Ihr Königreich ist die Stufe vor ihrer roten Haustür, die in der Dämmerung wie in dunkelrotes Blut getaucht wirkt. Ihre pergamenten Wangen passen zu ihrer Tür, erwecken den Eindruck eines gescheiterten Versuchs sich ein bisschen für den Tag zu schmücken, sich ein bisschen zu Recht gemacht zu haben. Rote Wangen, deren Farbton man mit zu viel und billigem Rouge des Drogeriemarkts gegenüber verwechseln kann.
Die ausgedienten Schuhe gewähren ihren Füssen eine letzte Standhaftigkeit, tragen den senilen Körper wenige Meter am Tag. Sie werden den ganzen Tag von kleinen roten Augen beobachtet, als wäre da eine Angst die Füße könnten einfach weglaufen und sie abdriften in eine noch grössere Unselbstständigkeit. Zwangsweise die Füße immer im Blick. Den kahlen zu Boden hängenden Kopf zu heben, immer wieder gegen die Schwerkraft anzukämpfen, ist zu viel verlangt. Kräfte werden gesammelt und gespart, benötigt für den nächsten Schluck.
Immer wieder verschaffen die tattrigen Hände Befriedigung.
Es gibt keine Untergebenen, keine Diener und keinen König. Sie ist allein, hat niemanden der ihr ein gutes Wort gibt. Ihr Gegenüber ist die Anonymität. Man kennt sie, aber sie hat das Gestern schon vergessen. Menschen ziehen an ihr Vorüber, schenken ihr einen flüchtigen Blick, drehen sich, Abscheu demonstrierend, weg und eilen unter einem Vorwand weiter in die nächste Straßenschlucht, weg aus ihrem Hoheitsgebiet. Oft ist ein dumpfes Schreien zu hören. Ihre zittrigen Hände fuchteln in der Luft, setzen einen unangenehmen Geruch frei, während sich eine kurze Erregung in ihrem fahlen Gesicht breit macht und sie den Menschen einen flüchtigen Blick hinterher wirft.
Ihre Bekanntschaften beschränken sich auf den ausländischen Kioskbesitzer in ihrem Königreich. Er scheint der Einzige zu sein, den sie duldet, dem sie ihr Geld schenkt um Flüssiges zu kaufen, an dem sie eine kurze Freude hat und später in der Kanalisation verschwindet. Gift verwandelt sich in Abschaum und löst sich in Anonymität auf.

. . .

Dienstag, 16. Oktober 2007

Reise Wut

Der silberne Koffer liegt halboffen auf dem Boden. Sein Platz ist im Eck.
Er ist gepackt. Seit Wochen. Er wurde neu bepackt und umgepackt. Nur nicht ausgepackt.
Er ist ständig auf Reisen.
Kennt die verschiedensten Teppiche, Parkettböden und Fliesen.
Mal liegt er zufrieden und glücklich auf einem warmen weichen Teppich. Mal hinterlässt er aus Wut Kratzer im Holz des strahlenden Parkettboden. Mal friert er auf zu kalten Fliesen.

Er hat schwer zu tragen. Schleppt viel mit sich rum. Muss immer funktionieren und da sein, wenn er gebraucht wird. Er wird an die Hand genommen und hat keine Wahl. Er kann sich nicht entscheiden wo er bleiben möchte. Auch nicht wo er hin möchte.
Er sieht viel. Nur das Ende der Reise nicht.
Wo ist sein Ziel? An welchem Ort kann er mal ohne schwere Last einfach da sein?
Einfach existieren?
Der Boden ist ihm inzwischen egal.
Einfach mal Koffer sein. Ohne Inhalt und ständigen Input. Er ist überfüttert. Satt gegessen.
Ständiger Wechsel ist nicht gut. Er mag es nicht mehr. Ihm ist der Appetit vergangen.
Er braucht Ruhe. Muss mal sein schönes Äusseres wahren und regenerieren.
Nur zu Erholungsphasen beansprucht werden.

Ballast los werden. Ausgepackt werden. Alles von sich abschütteln.
Einfach Koffer sein. Glücklich und zufrieden sein an einem Ort.
Die Last an den Kleiderschrank abgeben. Durchatmen.
Auf dem Kleiderschrank ausharren. Erholen, aber trotzdem wachsam sein und nicht aufhören zu denken.

Auch mal Urlaub machen.
Nicht auf Abruf funktionieren und von zu vielen Menschen in zu viele verschiedene Richtungen gezerrt werden.

Ein Koffer lässt sich nicht zerreissen. Auch im Inneren nicht.

Samstag, 13. Oktober 2007

Spanische Nacht

Manches kommt einem spanisch vor!
Man kommt aus dem Bad und möchte sich ins Bett legen. Immerhin ist es schon fast 2h nachts. Man schaltet das Licht aus, tastet sich im Dunkeln zur Nachttischlampe. Schaltet sie an und legt sich gemütlich in das warme Bett.
Greift nach einem Buch, liest ein paar Seiten, schaltet das Licht aus und lässt sich den Tag nochmal durch den Kopf gehen.
Macht Pläne für den nächsten Tag. Will Ruhe, schlafen und freut sich auf den Morgen.

Im Halbschlaft, ein Rascheln. Kurzer Blick. Die Fenster sind gekippt. Luft ist wichtig im Schlaf. Wieder ein Rascheln. Dann ein Licht. Ein Blick zu dem Fenster, das zum Hof führt.
Blinzeln. Eine Taschenlampe?
Ja.
Bitte nicht wieder ein Einbruch. Bitte nicht wieder die Kripo. Bitte nicht wieder ein ungutes Gefühl bekommen, sich nicht sicher fühlen in den eigenen 4 Wänden.

Aufstehen, der Weg zum Fenster ist durch das Licht im Hof beleuchtet. Manchmal trifft der Schein der Taschenlampe meine Fenster.
Wortlos am Fenster stehen. Aufeinmal laut "Hallo" rufen.
Der Strahl der Taschenlampe blendet mich. Ich höre ein "Hallo".
Ich blinzle, sehe einen Mann. Er durchwühlt die Mülltonnen.
Es ist kurz vor 3h.
Ich höre mich selber schreiben: "Raus! Raus hier!"
Zurück kommt ein aggressives: "Wieso?" Eine jüngere Stimme. Könnte mein Alter sein.
"Ich wohne hier! 2. Obergeschoss! Seit 10 Jahren!"

Ich denke kurz nach. Ich kenne nicht viele im Haus. Ich höre mich sagen, während ich meine Bettdecke schützend vor mich halte und den Kopf aus dem grellen Licht drehe: "Ja. Und Sie bringen den Müll um 3h nachts mit einer Tachenlampe in den Hof."
Ich bin müde. Möchte schlafen, habe keine Lust auf eine Diskussion mit einem Fremden.
"Meine Augen sind schlecht! Ich kann nichts dafür!"
Der südländische Dialekt erinnert mich an meinen letzten Urlaub in Spanien.
Ich denke bei mir, meine Augen sind auch gleich "schlecht"! Nimm die Lampe aus meinem Gesicht. Nimm deinen Müll und verschwinde! Genau das sage ich auch!

Ich stehe immer noch hinter dem gekippten Fenster. Friere. Höre wütende spanische Worte, die ich nicht verstehe. Eine Tür knallt. Noch im Hausflur höre ich wie entrüstet dieser Mensch ist.
Ich lege mich ins Bett. Bin hellwach. Mache mir Gedanken. Kann es sein, dass jemand seinen Müll um kurz vor 3h nachts in den Hof bringt, ihn da sortiert. Ja, das kann sein!
Wenn ich schlechte Augen hätte, würde ich meinen Müll tagsüber entsorgen. Ohne Taschenlampe.
Mir fällt ein, dass schon öfters Menschen die Mülltonnen durchsucht haben. Sie suchen Flaschen. Nutzen die Dunkelheit. Bringen sie am nächsten Tag weg. Kaufen sich von dem Pfand etwas um zu Überleben.
War das auch diesmal so? Ich finde zumindest eine Erklärung für meine Reaktion.
Ich fühle mich nicht sicher. Kann nicht verstehen, wieso die Haustüren immer offen sind. Jeder kann duch den Hof gehen.

Ich schlafe ein. Fühle mich ein bisschen schuldig. Was, wenn der Mann wirklich im 2. Obergeschoss wohnt? Habe ich überreagiert? Ich war im Halbschlaf, wie auch jetzt.


Ich bin seit ein paar Stunden wach. Ich gehe Einkaufen. Schiele auf dem Weg zum Supermarkt auf die Klingelschilder. Gehe weiter. Gehe zurück, vergewissere mich.
Ja. Da stehen 2 spanische Namen im 2. Obergeschoss.
Ich mache mir Gedanken. Ich komme zu dem Schluss, dass ich komsiche Nachbarn habe. Komisch? Zumindest für mein Verständnis etwas ungewöhnlich.

2 Tage vergehen. Ich mache mir keine Gedanken mehr. Wieso auch. Wenn ich jemandem unrecht getan habe, werde ich mich bei Gelegenheit entschuldigen.
Meinen "Rauswurf" aus dem Hof. Einfach erklären wie es war. Andere scheinen sich allerdings nicht so viele Gedanken zu machen. Sondern entsorgen ihren Müll um 3h nachts mit einer Taschenlampe. Und das in einem Hof, von dem das Problem mit den "Sachensuchern" bekannt ist.

Ich bringe meinen Müll runter. Es ist 17h. Ich werfe den Beutel in die Tonne.
Drehe mich um. Mich lächelt ein Südländer an. Er wirft seinen Müll in die Tonne.
Ich sage ein einfaches, freundliches "Hi!". Er lächelt und grüsst zurück.

Freitag, 12. Oktober 2007

Ein super Markt.

Nachdem man fast alles gefunden hat, alles im Wagen liegen hat, schielt man zur Kasse. Nur eine Kasse offen. Eine Schlange bis ans andere Ende des Markts. Sogar bis hin zur Käsetheke am anderen Ende. Menschen bilden diese Schlange aus bunten Farben, meist grauen und fahlen Gesichtern. Ich werde zum Hinterteil der Schlange. Stehe einfach da. Rücke keinen Milimeter nach vorne. Plötzlich gehöre ich zum Bauch der Schlange.
Das Hinterteil besteht nun aus anderen Menschen. Direkt hinter mir höre ich ein Husten und rieche, neben kaltem Rauch, einen unangenehmen Geruch. Ich drehe mich langsam um. Blicke in den leeren Wagen zweier Menschen.
Sie erwischen mich.
"Na, so nen Gala Dinner wirste heut nich haben, wa?!"
Ich läche freundlich und drehe mich um. Mir wird komisch. Whisky? Jägermeister? Ich kenne den Geruch nicht, rieche aber den Alkhol.
Im Wagen lagen eine Packung Reis, 2 riesige Würste und ein Sack Kartoffeln. Bio Kartoffeln.
Ich möchte raus. Aufeinmal wird es mir zu eng in dem Laden. Ich spüre, wie die Gourmets hinter mir, ihren Wagen immer wieder gegen meine Versen fahren.
Ich sage nichts. Stehe einfach da.
Eine zweite Kasse öffnet. Endlich.
Die Kassierin ruft:" Kommse mal zu mir. Aber ec Zahlung geht hier nich, wa!"
Ich gehe in schnellem Schritt an die Kasse. Gefolgt von den Beiden hinter mir.
Ich spüre einen dünnen Finger auf meiner Schulter. "Was hatse jesagt?"
Ich antworte freundlich. Der Fahne ins Gesicht. "Keine ec Zahlung an dieser Kasse."
Die Frau hinter mir lacht. Schaut ihren Begleiter an und lässt mich wieder rätseln, was sie getrunken hat:" Ne ec Karte? Haste sowat?"
Ihr Begleiter schüttelt lachend und hustend den Kopf.
Beide prusten los. Ich bekomme Gänsehaut. Nicht wegen des Alkohols und dem Geruch.
Ich habe Mitleid. Mitleid mit den beiden. Mit ihrer Packung Reis, den 2 riesigen abgepackten Würsten und den Bio Kartoffeln.
Lasst es Euch schmecken, denke ich mir! Um glücklich zu sein, braucht man nicht unbedingt eine ec Karte!
Die schönsten Dinge im Leben sind umsonst!

Samstag, 6. Oktober 2007

Berliner Schreibtisch

Ich bin wieder hier.
Berlin hat mich wieder. Mein Schreibtisch mich leider auch.
In all den Schubladen stecken Erinnerungen, negative und positive.
Die Schubladen aufgerissen. Übermannt worden von Schönem und weniger Schönem.
Einen riesigen blauen Müllsack aufgemacht, der drohend neben dem Schreibtisch trohnte.
Jetzt ist er voll. Voll mit Müll. Und doch war es wie Shoppen gehen. Altes wird zu Neuem.
Die Silvester Kracher habe ich behalten.

Donnerstag, 4. Oktober 2007

Freundschaft wegen der alten Zeiten?

Nein, das lohnt sich nicht! Und ich habe es endlich akzeptiert. Morgen geht es wieder 580km über die Autobahn. Weg! Ab nach Berlin. Weg von meinen Freunden.
Es sind keine Freunde mehr. Sie haben sich verändert. Und ich mich auch. Nie rausgekommen. Immer daselbe. Jeden Tag. Lügen und Intrigen gibt es nach wie vor. Ich will und kann es nicht mehr hören. Innerhalb eines Telefonats muss mein Gehirn 5 verschiedene Dinge aufnehmen und verarbeiten.
Scheidung nach 2 Jahren, Menschen, die vorgeben einen Beruf zu haben, den sie nicht haben und nie haben werden. Probleme da eine Freundin einer Freundin im selben Club arbeiten möchte, sinnloses Gerede über Fakten, die sich nicht ändern lassen und schon auf diversen Ebenen diskutiert wurden. Es gab keine Lösung.
Für mich gibt es eine Lösung. Schnell nach Berlin. Schnell weg von meinen Freunden.
Heute Abend noch eine sms schicken. Servus sagen. Zu verstehen geben, dass ich ab morgen wieder weg bin! Weg von all dem eingefahrenen Leben. Sie werden es akzeptieren müssen, werden hoffentlich nicht mehr jeden Tag anrufen und fragen ob ich Zeit habe für dies und das.
Freundschaft wegen alter Zeiten lohnt sich nicht!

Es gibt immer ein erstes Mal.

Bloggen zählte bisher nicht zu meinen liebsten Beschäftigungen. Machen werde ich es von nun an trotzdem. Es ist nicht das erste Mal. Aber ich sehe es einfach als erstes Mal. Einfach schreiben, schreiben und schreiben. Nicht Nachdenken dabei. Meinem Kopf die Möglichkeit geben wieder Platz zu schaffen...

Morgen früh wird eine wunderschöne Zeit in meiner Heimatstaft zu Ende gehen. 4 Wochen Heimat gehen zu Ende. Ich weiss, ich werde wieder kommen. Zurückkehren in meine Heimat, zu meinen Eltern, meinem Bruder und meinen Verwandten. Freunde habe ich in den 4 Wochen keine getroffen. Sie haben sich verändert. Und ich mich auch. 24 Jahre lang habe ich hier gelebt. Zumindest in der Nähe. Ca. 20km von der Wohnung, die ich heute geputzt, chic gemacht habe, in der ich momentan sitze und schreibe. Nach 24 Jahren die "Wende". Ab in den Osten, Studieren. Fast fertig, keine Lust gleich wieder in die Heimat zurückzukehren. Ab in unsere Hauptstadt. Ab nach Berlin. Verlieben und da leben. Ab morgen wieder!
Weg aus dem grünen, überschaubaren und ruhigen Vorort von München. Den Bäumen mit all ihren strahlenden und bunten Blättern Auf Wiedersehen sagen. Noch einmal mit offenen Fenstern schlafen, ohne den monotonen Lärm der Autos zu hören.
Morgen noch einmal aufstehen und sich am Fenster strecken. Die frische Luft aufsaugen, den Luxus der Ferienwohnung geniessen. Noch einmal am See spazieren gehen, tief einatmen und Reserven für die manchmal zu laute Hauptstadt sammeln.

Berlin, du hast mich bald wieder! Ich freue mich auf dich!

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